"Italien blamiert sich fast", schreibt sueddeutsche.de, "Gilardino rettet Italien vor der Blamage", barmt die Agentur. Manchmal habe ich das Gefühl, diese Einschätzung ist typisch deutsch. Kein Spanier, kein Engländer, kein Franzose, kein Russe käme auf die Idee, diese Fast-Blamage-Nummer wieder und wieder zu bringen, diesmal sogar bei einem 3:2-Sieg. Jawohl, SIEG! Zypern war mit 2:0 in Führung. Blamage! Superpeinlich! Weltmeisterunwürdig! Dann kamen drei Tore von Gilardino und für die Deutschen war die Fast-Blamage perfekt. Fast-Blamage ist aber wie quasi-gol, Fast-Tor. Oder muss man sich peinlich berührt fühlen, wenn man den Gegner aus der Amateurliga nicht so großzügig und außerordentlich fair mit 13 Toren abschlachtet wie die deutsche Elf vor ein paar Jahren den Fußballzwerg San Marino? Mein Verdacht ist: In manchen Redaktionen liegen neben "Italien" und "Weltmeister" einfach noch ein paar Begriffe in der Schublade, die die dort versammelten Sprachkünstler beliebig herausgreifen und kombinieren können. Kleine Auswahl: "Weltmeister am Abgrund", "Weltmeister in der Krise", "Blamage für den Weltmeister", "Weltmeister im Chaos", "Italien deklassiert." Passt irgendwie immer oder?
Ich meine, es gibt genug Dinge, die Italiener im Moment ein bisschen peinlich finden. Die Fußball-Nationelf gehört aber nicht unbedingt dazu. Wieso auch? Und dass sich die Deutschen dauernd für italienische Fast-Blamagen fremdschämen, das geht wirklich ein bisschen zu weit.
P.S. Ich sehe gerade, dass Spiegel.de auch das deutsche 1:1 gegen Finnland "peinlich" findet. Dio mio, wie kriegt man diesen verkrampften Wichtigtuer-Ton aus dem deutschen Sportjournalismus heraus? Von Leuten, die dafür bezahlt werden, ins Stadion zu gehen und Fußball zu gucken! Löw ist qualifiziert, qualifiziert, qualifiziert. Schon klar, für euch, werte Kollegen, war es wieder einmal harte Arbeit. Aber für die Spieler war es ein Freizeitkick, Leute. Wir können uns aber von hier aus gern auch mal für euch fremdfreuen.
Mittwoch, 14. Oktober 2009
Nostalgia
Bei der Arbeit in anderen Zusammenhängen fand ich diese Szene. Wer erinnert sich daran, mit welcher Sorgfalt Marcello zuerst das Glas Milch abgestellt hat?
Sonntag, 11. Oktober 2009
Heute beim Zeitungshändler...
...in einem kleinen, umbrischen Dorf. Links neben dem Eingang war über Nacht eine Pinwand aus Kork aufgehängt. Eine Art Schaukasten mit Immobilienangeboten. Und zwei Artikeln der rechten Kampfzeitung "Libero." Der eine beschrieb, wie man es anstellen kann, keine Gebühren für das Staatsfernsehen RAI zu bezahlen. Die RAI macht Berlusconi im entferntesten Sinne Konkurrenz.
Der andere Artikel im Schaukasten des Zeitungshändlers hetzte gegen den Fernsehjournalisten Michele Santoro. Not my favorite aber immerhin einer der wenigen, der es wagt, Silvio Berlusconi zu attackieren. In seiner letzten Sendung hatte Santoro Patrizia D'Addario eingeladen, jene Hure aus Apulien, die mit Berlusconi eine Nacht verbracht hat, für die sie nie bezahlt worden ist. Auf diese Art von Information könne Italien verzichten, steht im Schaukasten des Zeitungshändlers. Und deshalb müsse Santoro weg vom staatlichen Bildschirm.
Ein Zeitungshändler gegen die Informationsfreiheit. Das ist Italien. Mir dämmerte jetzt, warum in seinem Laden die großen, unabhängigen Tageszeitungen wie Repubblica, Corriere della Sera und Stampa ganz oben auf dem Ständer stehen, unerreichbar für durchschnittlich große Menschen. Auf Augenhöhe hingegen die Berlusconi-Presse.
Nein, man hat hier niemals seine Ruhe. Ich muss meine Zeitungen fortan im Nachbarort kaufen. Und beten, dass dort niemand auf die Idee kommt, seinen Schaukasten aufzuhängen.
Der andere Artikel im Schaukasten des Zeitungshändlers hetzte gegen den Fernsehjournalisten Michele Santoro. Not my favorite aber immerhin einer der wenigen, der es wagt, Silvio Berlusconi zu attackieren. In seiner letzten Sendung hatte Santoro Patrizia D'Addario eingeladen, jene Hure aus Apulien, die mit Berlusconi eine Nacht verbracht hat, für die sie nie bezahlt worden ist. Auf diese Art von Information könne Italien verzichten, steht im Schaukasten des Zeitungshändlers. Und deshalb müsse Santoro weg vom staatlichen Bildschirm.
Ein Zeitungshändler gegen die Informationsfreiheit. Das ist Italien. Mir dämmerte jetzt, warum in seinem Laden die großen, unabhängigen Tageszeitungen wie Repubblica, Corriere della Sera und Stampa ganz oben auf dem Ständer stehen, unerreichbar für durchschnittlich große Menschen. Auf Augenhöhe hingegen die Berlusconi-Presse.
Nein, man hat hier niemals seine Ruhe. Ich muss meine Zeitungen fortan im Nachbarort kaufen. Und beten, dass dort niemand auf die Idee kommt, seinen Schaukasten aufzuhängen.
Donnerstag, 8. Oktober 2009
Bella Italia...
...oder: Neapel ist besser als alle Klischees: http://www.zeit.de/2009/42/Neapel?page=all
Mittwoch, 7. Oktober 2009
Bad Hair Day
...für Silvio Berlusconi:
http://www.zeit.de/politik/ausland/2009-10/berlusconi-immunitaet-verfassungsgericht
http://www.sueddeutsche.de/,tt6m1/sport/845/490224/text/
Und nach soviel Schreiberei auch für mich.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2009-10/berlusconi-immunitaet-verfassungsgericht
http://www.sueddeutsche.de/,tt6m1/sport/845/490224/text/
Und nach soviel Schreiberei auch für mich.
Donnerstag, 1. Oktober 2009
Piccoli Inzaghi crescono
Doch, Buffon hat gehalten und Juve feierte das 0:0 als Erfolg. Ach, wie sich die Zeiten ändern! Und dann das hier. Milan-Zürich 0:1. Mit einem Tor, als wäre es von Inzaghi. Eckball, Hacke, Treffer:
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